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16.09.2014

EEG-Umlage macht Porzellinern zu schaffen

Trotz Energie-Investitionen Wettbewerbsfähigkeit gefährdet

Ob auf dem Kreuzfahrtschiff Aida, im Waldorf Astoria in New York oder vor kurzem bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien: Mehr als 200 Millionen Menschen weltweit speisen von dem vielfach ausgezeichneten Porzellangeschirr der BHS-tabletop AG aus Nordbayern. Der Spezialhersteller für Hotelporzellan mit Standorten in Schönwald, Selb und Weiden ist bei Spitzenköchen und Gastronomen erste Wahl. Doch die Energiepreisentwicklung ist ein Problemfeld für das strategisch gut geführte Unternehmen.

IG BCE

Energiewende - jetzt und bezahlbar

Nicht zuletzt deshalb bereitet die schleppende Umsetzung der Energiewende der fränkischen Traditionsfirma Sorgen. Denn die Porzellanbranche ist eine energieintensive Industrie, die nicht von der EEG-Umlage befreit ist. Obwohl BHS-tabletop in den vergangenen fünf Jahren seinen Energieverbrauch pro Tonne Porzellan um 20 Prozent reduzieren konnte, stiegen die Energiekosten um das Doppelte.

„Trotz aller Erfolge ist Energie ein Dauerthema“, weiß Helmut Häußer, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats. Alleine an Umlagen zahlt die Firma knapp 1,4 Millionen Euro. „Aufgrund der hohen und immer noch steigenden Energiekosten, ist dies eine enorme Belastung für mittelständische Betriebe in unserer Größe“, so Häußer. Die saftige EEG-Umlage macht dem Marktführer für Profiporzellan zu schaffen, der bisher erfolgreich dem negativen Branchentrend trotzte. „Weder die Bürger noch die klein- und mittelständischen Betriebe dürfen noch stärker zur Kasse gebeten werden“, sagt Häußer. „Unsere Energie muss bezahlbar bleiben“, fordert der langjährige Betriebsrat. Ansonsten fürchtet der Franke in einem hart umkämpften Markt mit enormen Wettbewerb nicht nur um die Zukunft des Unternehmens sondern generell um den Industriestandort Deutschland.

Anfang Dezember 2013 nahm die Firma im Dekor-und Logistikzentrum der Firma ein mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk in Betrieb. Es produziert Strom zu Eigennutzung. Gleichzeitig wird ein Teil des erzeugten Stroms ins öffentliche Netz geleitet. Die gewonnene Abwärme wird in einen 20.000 Kubikmeter Pufferspeicher für Heizung und Warmwasser gespeichert.
Ein weiteres Blockheizkraftwerk am Standort Schönwald mit einem Investitionsvolumen von über 2,5 Millionen Euro ist zwar geplant. Doch aufgrund der immer noch unsicheren Rahmenbedingungen über die Höhe der künftigen EEG-Abgaben auf eigenerzeugten Strom liegt das Projekt vorerst auf Eis. „Wir brauchen Planungssicherheit für Neuanlagen und Bestandsschutz für bestehende Investitionen bei der Umsetzung der Energiewende“, betont deshalb Rainer Schwarzmeier, Vorstand Produktion/Logistik. Von der EEG-Umlage befreit werden jedoch nur Unternehmen, deren Energiekosten 14 Prozent der Bruttowertschöpfung ausmachen.

„Die Politik muss alles tun, dass die energieintensive Porzellanindustrie zu wettbewerbsfähigen Strompreisen am Standort Deutschland produzieren kann“, fordert auch die 56jährige Gesamtbetriebsratsvorsitzende des oberfränkischen Traditionsunternehmens Rosenthal Marianne Wopperer. Die Scherben der Insolvenz nach der Pleite des damaligen irischen Mutterkonzerns Waterford Wedgewood sind längst gekittet. Der neue Mailänder Unternehmer Pierluigi Coppo investierte in großen Umfang in neue Technik und Umfang in neue Technik und sanierte die Firmengebäude, um Energie einzusparen.

Als eines der ersten Unternehmen in der feinkeramischen Industrie hat der TÜV SÜD der Rosenthal GmbH und ihren Standorten Selb und Speichersdorf deshalb die erfolgreiche Einführung eines Energie-Management-Systems bescheinigt. So wurde unter anderem ein neues Blockheizkraftwerk im Werk Rosenthal am Rothbühl installiert, das ein jährliches Einsparpotential von mehr als 100.000 Euro verspricht. Eine Wärmerückgewinnungsanlage, eine neue dezentrale Warmwasseraufbereitungsanlage sowie LED-Beleuchtungselemente in der Dekordruckerei verbessern die Energiebilanz zusätzlich.
Bei Thomas am Kulm und im Zentrallager wurden sowohl die Heizkesselanlage ausgetauscht als auch die Abläufe im Dekorbetrieb durch die Zusammenlegung auf einen Dekorbrandofen optimiert.

„Die Energiewende ist kein „Deutschlandthema“ – wir stehen im globalen Wettbewerb“, mahnt Marianne Wopperer. Die Betriebsrätin befürchtet ansonsten den Verlust von Arbeitsplätzen und die drohende Abwanderung der Produktion in Länder mit niedrigeren Umweltstandards.