IG BCE-Fachtagung: Neue Studiengänge Bachelor/Master in der Arbeitswelt

Die Weichen sind gestellt

Die Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse war eines der maßgeblichen Ziele der Bologna-Reform. Nun stehen die ersten Absolventen im Beruf. Vielfach wurde ihre Arbeitsmarktakzeptanz bezweifelt. Auf ihrer Fachtagung am 10. Oktober 2014 versuchte die IG BCE gemeinsam mit Vertretern aus Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft sowie Betriebsräten und Jugendvertretern zu klären, wie die neuen Studienabschlüsse in der Arbeitswelt angekommen sind.

René Golembewski / www.pixelio.de

Protokoll beim Praktikum (Studium)

„Bayerische Bachelorstudenten sind auf dem Arbeitsmarkt durchaus gefragt“, so Dr. Susanne Falk vom Bayerischen Staatsinstitut für Hochschulforschung. Dieses positive Ergebnis erbrachte die jüngste Absolventenbefragung im Rahmen des Bayerischen Absolventenpanels (BAP). Dabei erzielen die Bachelorabsolventen beim Berufseinstieg ein ebenso hohes Einkommen wie Absolventen von Diplomstudiengängen, so die Studie. Die Befragung zeigt jedoch auch, dass die Übergangsquote vom Bachelor zum Master an den Universitäten mit zwischen 70 und 90 Prozent sehr hoch ist. Bei den Bachelorabsolventen an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften beträgt sie zwischen 30 und 60 Prozent.

„Oftmals entsteht aus dem Praxissemester heraus die Einstellung“, wusste Dr. Carolin Hagl von der Technischen Hochschule Amberg Weiden (OTH). Zudem wurde festgestellt, wer im Unternehmen bereits bekannt ist, verdient signifikant mehr. Die ostbayerische Hochschule für angewandte Wissenschaften arbeitet sehr eng mit den Unternehmen in der Region, wie etwa der Gerresheimer Regensburg AG mit Hauptsitz in Pfreimd, zusammen. Die Studierenden der OTH im Praxissemester werden bei Firmen sehr geschätzt. Selbst die Abschlussarbeit wird oft in Kooperation mit einem Unternehmen verfasst. Sorge bereite lediglich das Problem zunehmender Studienabbrecher. Auch das Ziel der Bologna-Reform die Auslandsmobilität zu erhöhen, so Hagl, sei noch nicht vollständig erreicht. „Europa ist Heimatmarkt, alle Unternehmen sind global unterwegs“, erinnerte im Hinblick darauf Landesbezirksleiter der IG BCE Seppel Kraus.

„Als Verbände haben wir die Reform mit vorangetrieben“, bekannte Walter Vogg, Hauptgeschäftsführer des Vereins der Bayerischen Chemischen Industrie. Inzwischen seien auch viele Anfangsschwierigkeiten überwunden. Während beispielsweise die Eingruppierung von Absolventen der Masterstudiengänge relativ klar sei, gebe es bei Bachelorabsolventen jedoch oft noch Klärungsbedarf, was hinter den fantasievollen Bezeichnungen tatsächlich steckt. In den Unternehmen seien hier anwendungs- und praxisorientierte Bachelorprofile vor allem in den Bereichen Technik und Ingenieurwesen, aber auch in der IT oder im kaufmännischen Bereich zunehmend gefragt. Und auch die dualen Studiengänge werden offenbar mehr und mehr zum Erfolgsmodell. „Der Chemie-Bachelor hat dagegen keine Chance“, so Vogg. Im naturwissenschaftlichen Bereich sei der Master nach wie vor das Maß der Dinge. Vogg warnte jedoch auch vor einer Über-Akademisierung zu Lasten hochqualifizierter Facharbeiterberufe. „Nicht allein die Akademiker sind für den Erfolg eines Unternehmens verantwortlich“, mahnte er und verwies auf die notwendige Basis gut ausgebildeter Facharbeiter.

Dass die neuen Studiengänge durchaus positiv in den meisten Betrieben angekommen sind, bestätigten Betriebsräte und Personalleiter gleichermaßen. „Die Weichen dafür sind gestellt“, so Betriebsrat Peter Aldozo von der Wacker Chemie Burghausen. Dass junge Bachelorabsolventen oftmals noch wenig Lebenserfahrung mitbringen muss kein Handicap sein, erläuterte Betriebsrat Michael Storl von der Adidas AG Herzogenaurach. Um sie auf Führungsaufgaben vorzubereiten und ihre Sozialkompetenz zu schulen, bietet ihnen Adidas deshalb speziell das firmeninterne Programm „Fit to lead“ als Rüstzeug. Fundierte Englischkenntnisse sollten die Bachelorabsolventen jedoch auf alle Fälle mitbringen, erklärte freilich Personalleiter Axel Süß von der Gerresheimer Regensburg AG.
Betriebsratsvorsitzender Peter Heller von der Excella GmbH Feucht sah vor allem bei den Masterabsolventen Potenzial, um eine Führungsrolle im Betrieb zu übernehmen.

„Für uns ist in diesem Zusammenhang wichtig, wie sich das Gefüge dadurch verschiebt und das Tarifsystem verändert“, betonte Landesbezirksleiter der IG BCE Seppel Kraus. Die chemische Industrie habe freilich gute Voraussetzung diese Herausforderung zu meistern. „Die Chancen sind da“, ermunterte er die jungen Gewerkschaftsmitglieder am Schluss der informativen Veranstaltung.

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