Auch Glasindustrie braucht konkurrenzfähigen Strom

Marktfähig bleiben

Die bayerische Staatsregierung bremst nach wie vor das Mammutprojekt Energiewende. Auch den Unternehmen der Glasindustrie bereitet dies zunehmend Sorgen. „Schließlich zählt die Glasherstellung aufgrund der hohen Schmelztemperaturen von bis zu 1540° C zu den energieintensiven Prozessen“, sagt Stefan Gaar von der Gerresheimer Lohr GmbH.

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Energiewende - jetzt und bezahlbar

Dabei kann sich die Energiebilanz von Glas sehen lassen. „Durch die Novellierung des EEG sind die finanziellen Belastungen jedoch gestiegen“, betont der Betriebsratsvorsitzende. Dabei liegen bereits jetzt die Strompreise im Vergleich zu anderen EU-Ländern im oberen Drittel. „Damit wird es immer schwieriger konkurrenzfähig zu bleiben“, so der 42jährige. „Wir erwarten von der Politik langfristige Planungssicherheit mit transparenter Gesetzgebung und massiv verstärkten Fördermaßnahmen für regenerative Technologien“, fordert er unmissverständlich.

Seine Angst: Die Werke in Deutschland könnten ihre Führungsposition verlieren, Kapazitäten werden abgebaut, Werke geschlossen und Arbeitsplätze gehen verloren. Gerade im ländlichen Raum sind Industriearbeitsplätze jedoch mehr als notwendig, um dem Trend der Abwanderung entgegenzuwirken. Mit rund 350 Mitarbeiter ist der Betrieb im Spessart, der Flaschen aller Art für Medikamente und Kosmetik fertigt, einer der wichtigen Arbeitgeber in Lohr. Gerresheimer ist ein weltweit führender Partner der Pharma- und Healthcare-Industrie.

High-Tech Glas von Flachglas Wernberg aus der Oberpfalz ziert Bauwerke, Maschinen und Transportmittel in ganz Europa. Angefangen vom denkmalgeschützten Hypo-Hochhaus in München bis hin zum spektakulären „The Shard“ in London von Stararchitekt Renzo Piano, überall hat das innovative Unternehmen die Finger im Spiel. Denn die multifunktionalen Gläser und Verglasungssysteme genießen international einen ausgezeichneten Ruf.

Seit fünfzehn Jahren existiert bereits ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell. Seither hat die Belegschaft mit 51 Prozent das Sagen. Und auch hier belasten die steigenden Strompreise zunehmend die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Einen Teil der Kosten haben die 620 Mitarbeiter bereits aufgefangen. Sie verzichteten schon im Frühjahr auf den Großteil ihres Weihnachtsgelds und erhöhten ihre Wochenarbeitszeit. „Die Beschäftigten zahlen die Zeche für die schleppende Umsetzung der Energiewende“, kritisiert Betriebsratsvorsitzender Johann Klinger. Seiner Meinung nach spielt die bayerische Regierung hier leichtsinnig mit dem Faktor Zeit und so mit den Arbeitsplätzen am Industriestandort Bayern. Auch Geschäftsführer Reinhold Herrmann fordert mehr Planbarkeit und Verlässlichkeit in Sachen Energie und Energiekosten. „Schließlich ist das ein zentrales Thema für Unternehmen“, sagt er. „Denn am Ende geht es um Wettbewerbsfähigkeit national und international“. Johann Klinger ergänzt: „Aber auch um Wettbewerbsfähigkeit um gute Fachkräfte in der Region. Sie zu binden und zu  bekommen ist im Vergleich zu mancher anderen Branche aufgrund unseres Lohnniveaus schon schwierig genug!“

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