Aus der Papier-Industrie: Wettbewerbsfähige Strompreise gefordert

Energiewende: Jetzt und bezahlbar!

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer mutierte in den vergangenen Monaten zum obersten Blockierer der Energiewende. Bayern bremst nicht nur den Bau von Windrädern. Auch die Stromtrasse, die den Strom in den Süden bringen soll, will die CSU verhindern. Die Stromtrasse gehört zu einem Paket von insgesamt 36 Leitungen, die im Bundesbedarfsplangesetz aufgeführt sind. „Der Ministerpräsident zerlegt Stück für Stück alle Bestandteile der Energiewende“, erklärte die SPD-Landtagsfraktion. „Uns fehlt dadurch die Planungssicherheit“, sagt nicht zuletzt deshalb Christian Wegele von UPM in Schongau. Schließlich ist Bayern in besonderem Maß von den Auswirkungen der Energiewende betroffen, da knapp die Hälfte des Stromes aus Kernkraftwerken stammt.

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Energiewende - jetzt und bezahlbar

 „Als Unternehmen der energieintensiven Industrie sind für uns die Kosten für Energie natürlich äußerst wichtig“, so Betriebsratsvorsitzender Wegele. Bei UPM liegen die Energiekosten je nach Produktportfolio und Werkskonzept bei rund 15 bis 30 Prozent der Herstellkosten.
Alles was den Strom verteuert, erhöht die Standortnachteile. „In Zeiten sinkenden Papierverbrauchs und tiefgreifender struktureller Änderungen im Bereich graphische Papiere stellt die Energiewende eine weitere große Herausforderung für uns als energieintensive Industrie dar“, betont auch Rainer Häring, Director Energy Western Europe von UPM. Für den Standort Deutschland seien die Energiewende und deren Folgen die größte Herausforderung für die nächsten Jahre. Denn Deutschland hat immer noch die vierthöchsten Industriestrompreise in Europa.
Die Angst im europäischen Wettbewerb nicht mehr bestehen zu können, treibt auch Reinhard Nees vom Verpackungsspezialisten DS Smith in Aschaffenburg um. „Ich befürchte, dass Betriebe mit sehr hohen Energiekosten pro Tonne Papier auf der Strecke bleiben“, so Betriebsratsvorsitzender Nees.
Große Sorgen macht sich auch sein DS-Smith-Geschäftsführer Ulrich Albert: „Wir halten die Energiewende insgesamt für schlecht gemanagt“, sagt er. Vor allem das neue EEG hält er für problematisch. Er befürchtet, dass dadurch für die beiden deutschen DS-Smith-Papierfabriken Kostenrisiken von bis zu drei Millionen Euro entstehen. "Auf Basis des jetzt revidierten Gesetzesentwurfs sind unsere Befürchtungen nun zwar deutlich geringer, aber es wird darauf ankommen, dass der Entwurf auch tatsächlich Gesetzeskraft erlangt."
In Aschaffenburg und Schongau werden auch für den Energie- und Wärmebedarf benötigte eigene Kraftwerke betrieben, wie an vielen anderen Papier-Standorten auch. Christian Wegele: „Durch den Mix an Brennstoffen mit der Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage und der Gas- und Dampf-Anlage können wir zumindest einen Teil unserer Energiekosten geringer halten.“

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