Industriepolitische Fachtagung am 22. November 2013 in Regensburg

Zunehmender Druck auf Automobilzulieferer

Die Automobilhersteller im Freistaat verzeichnen zwar Rekordumsätze. Doch die bayerischen Automobilzulieferer stehen trotzdem unter Druck. Technische Umbrüche auf dem Automobilmarkt, beschleunigte Konzentrationsprozesse und die Verschiebung der globalen Märkte stellen die Branche vor enorme Herausforderungen

Guenter Hamich / pixelio.de

Lichtspiel

„Das Zusammenspiel von Herstellern und Zulieferern macht uns Sorgen“, erklärte Seppel Kraus, Landesbezirksleiter der IG BCE deshalb auf der Industriepolitischen Fachtagung in Regensburg am 22. November. Allein im Bezirk Kelheim-Zwiesel sind rund 40 Prozent der Betriebe abhängig von der Autoindustrie. Ein Grund mehr für die IG BCE die Zukunft dieser Branche kritisch zu beleuchten.
Experten, wie Unternehmensberater Dr. Joachim Türk sowie Professor Josef Nassauer, Sprecher des Clusters „Automotive Bayern“ zeigten wegweisende Trends in der Automobilindustrie auf. Dabei sah Unternehmensberater Türk vor allem Chancen für Zulieferer, wenn sie sich zusammenschließen, um Herstellern eine Komplettlösung für komplexere Autoteile anzubieten. „Damit verlagert sich die Wertschöpfung auf die Lieferanten“, betonte er den Vorteil solcher „Baukastensysteme“. Denn um Kosten zu sparen, gehen Autobauer mehr und mehr dazu über, gleiche Teile für verschiedene Marken und Modelle zu verwenden. Ein Plus für die Zulieferer. So können sie höhere Stückzahlen verkaufen, glaubt Türk.
Dass sich der Anteil an Kunststoff am Auto auf lange Sicht erhöhen wird, darin waren sich die Experten einig. Allein um das Gewicht der Fahrzeuge zu reduzieren, kommen zunehmend leichte Kunst- und Faserverbundwerkstoffe zum Einsatz, so Professor Nassauer. Besonders die Carbonfaser-Technologie birgt hier innovatives Potential. Selbst Heckklappen könnten demnächst aus Kunststoff gefertigt sein. Aber auch Fahrassistenzgeräte spielen eine immer größere Rolle.
„Die großen Zulieferer werden um eine Internationalisierung nicht herumkommen“, wusste Nassauer. Denn die Autohersteller verlagern ihre Produktionsstätten mehr und mehr ins Ausland. Dieser Prozess schreitet fort. Jüngstes Beispiel im Freistaat: Ab 2016 produziert Audi den Geländewagen Q 5 in einem neuen Werk in Mexiko. Auch als Zulieferer global aufgestellt zu sein wird so zunehmend wichtiger. Das bestätigte auch Anton Simon, Werkleiter der Samvardhana Motherson Peguform (SMP), dessen wichtigste Kunden Volkswagen, Audi, BMW, Porsche und Daimler sind, bei der anschließenden Podiumsdiskussion.
„Anfangs war ich gegen Globalisierung“, bekannte Betriebsratvorsitzender Norbert Lechermann aus Neustadt. Doch inzwischen hat der engagierte Gewerkschafter bei SMP seine Vorbehalte aufgegeben. Nach der Übernahme durch die indische Motherson Gruppe ist auch er von den Chancen überzeugt, sofern die Bedingungen stimmen. Im Falle Audi vertraut er auf die bewährte Zusammenarbeit mit seinem Gewerkschaftskollegen von der IG Metall, Helmuth Späth. „Ich hoffe, dass es eine Erfolgsgeschichte wird, für Audi und für Samvardhana Motherson Peguform“, so der Betriebsrat der Audi AG in Ingolstadt. „Wir legen Wert auf die Verlässlichkeit der Beziehung mit unseren Zulieferern und sollten nicht nur auf den schnellen Euro setzen“, betonte er.
Dass freilich der Fortbestand des Euro die Voraussetzung ist, um auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, war allen Beteiligten klar. Deshalb forderten sie die Akzeptanz des Euros zu stärken. Denn nur so kann der knappe Vorsprung, den die deutsche Automobil- und Zulieferindustrie durch ständige Verbesserungsprozesse derzeit besitzt, gehalten werden. Landesbezirksleiter Seppel Krauss forderte zudem von den Autobauern eine „Innovationsprämie“ für die Zulieferer, um innovative Forschung zu finanzieren. „Das trägt dazu bei, dass Arbeitsplätze gesichert werden und die bisherigen Löhne weiterhin gezahlt werden können“, bekräftigte er am Schluss der erfolgreichen Veranstaltung. Denn eine zweite Welle der Flexibilisierung wird unweigerlich auf die Betriebe zukommen. Stress am Arbeitsplatz wird somit weiterhin ein großes Thema für die Gewerkschaft sein.

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