Gelungene 8. Aschermittwochsnachlese

Himmlische Ideen, höllische Leidenschaft

Zur traditionellen Großveranstaltung der bayerischen IG BCE im Münchner Löwenbräukeller trafen sich am vergangenen Wochenende rund 1.100 Gewerkschafter und politische Gäste, unter ihnen auch Reiner Hoffmann, Mitglied des DGB-Bundesvorstandes und künftiger Nachfolger von Michael Sommer an der Spitze des Dachverbandes. Für beste Stimmung im vollbesetzen Saal sorgte die neunköpfige Kabarett- und Blasmusikgruppe „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ aus der Oberpfalz in ihren historischen Feuerwehruniformen.

IG BCE LB Bayern

Nachlese zum politischen Aschermittwoch 2014 - IMG_9629 Der Münchner Löwenbräukeller war - wie jedes Mal - gut gefüllt

„Wir brauchen eure himmlischen Ideen und höllischen Leidenschaften“, appellierte Seppel Kraus, Landesbezirksleiter der IG BCE an die anwesenden Gewerkschafter, in Hinblick auf die kommenden Betriebsratswahlen. Sie standen neben der Gestaltung der Energiewende im Mittelpunkt seiner Rede. „Eine Wahl, die in der Öffentlichkeit häufig unterschätzt wird“, erklärte er. Denn, so Kraus, ein engagierter Betriebsrat kann den Lebensweg eines Menschen positiv beeinflussen. Auch Reiner Hoffmann, Mitglied des DGB-Bundesvorstandes und künftiger Nachfolger von Michael Sommer an der Spitze des Dachverbandes äußerte sich zu diesem wichtigen Thema.

„Wir verlangen Kündigungsschutz für alle Arbeitnehmer, die einen Betriebsrat gründen wollen", forderte der designierte DGB-Chef von der Großen Koalition. Schließlich sei ein funktionierendes Betriebsratsgremium die Vorbedingung für gute Arbeit. Die Gründung eines Betriebsrats dürfe nicht durch Arbeitsplatzverlust bedroht werden. „Mitbestimmung ist ein Juwel der deutschen Sozialgeschichte“, sagte Hoffmann. „Wir brauchen eine Ausweitung der Unternehmensmitbestimmung“, erklärte er außerdem. Dabei verwies der 57jährige auf Beispiele aus Dänemark und Schweden. Dort beginnt die Mitbestimmung auf Unternehmensebene bereits bei Firmen mit 100 Beschäftigten.

Ebenso forderte das DGB-Vorstandsmitglied erneut die kalte Progression bei der Einkommensteuer zu verringern, um endlich den Einkommensverlust trotz Gehaltserhöhung zu stoppen und damit die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich zu mildern. „Die neoliberale Rosskur führt in den Abgrund“, warnte der Wuppertaler Diplom-Ökonom in Hinblick auf die Krise der Europäischen Union. „Die Märkte allein werden es nicht richten“, so der ehemalige Direktor des Europäischen Gewerkschaftsinstituts in Brüssel. Auch Deutschland könne es auf Dauer nicht gut gehen, wenn der wirtschaftliche Niedergang seiner Nachbarländer immer drastischer zunimmt.

„Bayern darf nicht Verlierer der Energiewende sein“, mahnte Landesbezirksleiter Seppel Kraus bei der Eröffnung. Denn der Freistaat ist in besonderem Maß von den Auswirkungen der Energiewende betroffen. Selbst drei Jahre nach dem Moratorium sei jedoch kein sinnvolles Konzept zur Umsetzung erkennbar. Vor allem, da nach dem Streit um Höchstspannungsleitungen, den CSU-Chef Horst Seehofer unnötigerweise schürte, der Bau neuer Stromtrassen verschoben wurde. „Es geht um unsere Arbeitsplätze“, betonte Seppel Kraus.

Anlässlich des Internationalen Frauentags versuchte er außerdem Frauen Mut zu machen sich bei den Betriebsratswahlen verstärkt zu engagieren. Da die Nachlese zum politischen Aschermittwoch heuer auf den 8. März fiel, gab es zudem eine besondere Frauentags-Aktion: jede Teilnehmerin konnte sich über eine Rose freuen. Und wer in der ersten März-Woche ein neues weibliches Mitglied geworben hatte, durfte einen Blumengutschein mit nach Hause nehmen.

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