Tausende gehen im Rheinischen Revier auf die Straße

„Das verletzt uns tief in unserem Herzen“

Beeindruckende Großdemonstration im Rheinischen Braunkohlenrevier: Rund 5000 Beschäftigte aus der Braunkohle, aus Energieunternehmen und Aluminiumhütten verlangen Respekt und Perspektiven für ihre Arbeit und ihre Familien. Michael Vassiliadis kritisiert Glaubenskriege in der Energiepolitik. Von SPD und CDU fordert er: „Wir verlangen Klarheit.“

Markus J. Feger

Kundgebung "Es ist 5 vor 12! 5000 Beschäftigte demonstrieren im Rheinschen Revier für mehr Realismus in der Energiepolitik.
01.12.2017
  • Von: Bernd Kupilas
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Das Wetter hatte Symbolcharakter: keine Sonne, kein Wind. Es herrschte regelrechte Dunkelflaute, als fast 5000 Beschäftige der Energiewirtschaft in einem beeindruckenden Demonstrationszug mit Transparenten und Trillerpfeifen zum Kraftwerk Niederaußem zogen. Die Menschen im Rheinischen Revier wissen, wer im Industrieland Deutschland auch bei solchem Wetter sicher und günstig Strom liefert – das Kraftwerk. „Weil es läuft“, ruft Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, unter dem donnernden Applaus der Demonstranten.

Beschäftigte der Braunkohle und aus Energieunternehmen ebenso wie aus energieintensiven Unternehmen, besorgte Bewohner und örtliche Politiker machten mit der Großdemonstration ihrem Unmut Luft – Diskussionen um die Braunkohle und die Energiewende sorgen bei den Beschäftigten zunehmend für Verunsicherung. „Mit jeden Gigawatt, über das diskutiert wird, stehen 1000 Arbeitsplätze auf dem Spiel“, betonte Michael Vassiliadis. Gefährdet seien nicht nur die Arbeitsplätze in den betroffenen Unternehmen direkt, sondern zum Beispiel auch die in Aluminiumhütten und anderen energieintensiven Unternehmen, betonte Günther Appenstiel, Betriebsratsvorsitzender von Norsk Aluminium. Letztliche gehe es um den gesamten Industriestandort. „Ihr sorgt dafür, dass es in Deutschland nicht dunkel wird“, rief er.

© Blitzfang Medien


Scharf und deutlich kritisierte Michael Vassiliadis die Debatten um ein voreiliges Abschalten konventioneller Kraftwerke, wie sie im Rahmen der Regierungsbildung in Berlin hochgekommen sind. Statt eine realistische Politik zu betreiben, würden Emotionen geschürt. „Da werden Glaubenskriege in die Gesellschaft getragen“, sagt er. Die Ziele in der Klimapolitik würden immer ehrgeiziger, Argumente und realistische Einschätzungen fänden hingegen kein Gehör. „Das ist etwas, was uns tief im Herzen verletzt – dass man uns nicht zuhört.“ Auch dafür erhielt Vassiliadis tosenden Beifall.

Klar wurde bei Demonstration, wie sehr die emotional aufgeladene Debatte um die Braunkohle an den Nerven der betroffenen Beschäftigten zerrt. Mehrere Redner forderten ein Ende der Gewalt im Hambacher Forst. Dort haben radikale Umwelt-Aktivisten mit gewalttätigen Auseinandersetzungen jüngst immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Die Beschäftigten der Energiewirtschaft hätten die Schnauze voll davon, beschimpft und bedroht zu werden, betonte Manfred Maresch, Bezirksleiter der IG BCE in Alsdorf. Harald Louis, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der RWE Power Group, appellierte an die radikalen Aktivisten: „Verzichtet endlich darauf, Menschen an Leib und Leben zu gefährden.“

Markus J. Feger

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis spricht auf der Kundgebung im Rheinischen Braunkohlerevier Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE: „Wir verlangen Klarheit.“

Nach dem Scheitern der Sondierungen zu einer Jamaika-Koalition verlangte Michael Vassiliadis nun von SPD und CDU einen realistischen Blick auf die Energiewende. „Wir erwarten von der Kanzlerin, Leitlinien zu setzen“, sagte er. Von dem Ziel, die klimaschädlichen Emissionen um 40 Prozent bis 2020 zu reduzieren, habe Deutschland bereits 34 Prozent erreicht. „Ist das vielleicht nichts?“, fragte Vassiliadis.  „Wir verlangen Klarheit.“

Die Beschäftigten und ihre Familien forderte der IG BCE-Vorsitzende auf, nicht den Mut zu verlieren, sondern im Gegenteil mit breitem Rücken in die gesellschaftliche Debatte zu gehen. Denn schließlich seien es die Beschäftigten in der Energiewirtschaft, die dafür sorgen, „dass es in diesem Land zu jeder Tages- und Nachtzeit Energie gibt.“

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