Medieninformation vom 4. Februar 2015

Chemie-Tarifverhandlungen für Bayern ergebnislos vertagt / IG BCE kritisiert harte Haltung der Arbeitgeber

Die erste Tarifverhandlung für die mehr als 60.000 Beschäftigten in der bayerischen chemischen Industrie ist heute in München ohne Ergebnis geblieben. Den Forderungen der Gewerkschaft nach 4,8 Prozent mehr Geld, 60 Euro höheren Ausbildungsvergütungen und mehr Mitteln zur Bewältigung des demografischen Wandels erteilten die bayerischen Chemie-Arbeitgeber eine klare Absage. Damit hat sich in der regionalen Verhandlungsrunde die harte Haltung der Arbeitgeber bestätigt. Die Tarifverhandlungen werden am 24. Februar auf Bundesebene fortgesetzt.

IG BCE

Tarifrunde Chemie 2015

„Die Arbeitgeber haben uns mitgeteilt, dass Schluss sein muss mit den überzogenen Lohnerwartungen und dass es in dieser Tarifrunde nur um ‚kleine Münzen‘ gehen kann. Aufgrund der nach wie vor stabilen wirtschaftlichen Situation in der Branche können wir dies nicht nachvollziehen“, kritisierte Landesbezirksleiter und Verhandlungsführer Seppel Kraus die harte Haltung der Arbeitgeber. „In der bayerischen chemischen Industrie sind die Umsätze gestiegen und die Aussichten gut.“ Ein Verteilungsspielraum sei vorhanden.

Kraus weiter: „Zur Bewältigung des demografischen Wandels in den Betrieben brauchen wir eine Weiterführung des Demografie-Tarifvertrags und den Ausbau der tariflichen Demografie-Fonds.“ Die Arbeitgeber wüssten sehr wohl, dass dies notwendig ist, um die erfolgreichen betrieblichen Modelle fortzuführen. „Wer will, dass Beschäftigte länger im Betrieb bleiben, der muss auch bereit sein, mit uns über ‚Gute Arbeit‘, Gesundheitsmanagement und einen gleitenden Ausstieg aus dem Erwerbsleben reden.“ Daran müssten beide Seiten Interesse haben, wenn man ein verantwortungsvolles, vorausschauendes Instrumentarium für die demografischen Herausforderungen in den mittelständischen Betrieben entwickeln will.  „Bei unseren Modellen geht es nicht um Frühverrentung, sondern um eine für beide Seiten gute Möglichkeit, ältere Beschäftigte mit ihrem Erfahrungsschatz möglichst lange gesund im Betrieb zu halten“, betonte Seppel Kraus. „Langsam müssen sich die Unternehmen Gedanken machen, wie sie bei einem höheren Renteneintrittsalter, den Arbeitsbelastungen und fehlendem Nachwuchs ihre Schichten wie benötigt besetzt halten wollen." Kraus weiter: „Wenn alles gut ist: Wieso nutzen dann viele Anspruchsberechtigte die Möglichkeit, schon mit 63 Jahren aus dem Berufsleben auszuscheiden und auf eine höhere Rente zu verzichten?“

„Für die chemische Industrie ungewöhnlich, kann dies eine sehr schwierige Tarifrunde werden, wenn die Arbeitgeber bereits jetzt diese Blockadehaltung an den Tag legen“, so das Fazit des Landesbezirksleiters.

Die Tarifverhandlungen werden am 24. Februar auf Bundesebene fortgesetzt.

Die Forderungen im Einzelnen:

  1. Die Entgelte sollen um 4,8 Prozent und die Ausbildungsvergütungen um 60 € erhöht werden.
  2. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 12 Monate betragen.
  3. Der Tarifvertrag Demografie und Lebensarbeitszeit soll weiterentwickelt und die Demografiefonds sollen ausgebaut werden.
  • Daneben wollen wir Modelle zum gleitenden Übergang wie z.B. eine Vier- und Dreitage-Woche ab dem 60. Lebensjahr weiterentwickeln.
  • Für den gleitenden Übergang müssen „Generationentandems“ zur Sicherung des Erfahrungsaustausches und Wissenstransfers gebildet werden.
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