Diskussion auf der Bundesjugendkonferenz

Europa ja - aber sozial

Sie waren sich einig, die zwei Teilnehmer der Podiumsdiskussion: Europa muss wieder für die Menschen da sein. Michael Vassiliadis, der Vorsitzende der IG BCE, und Bernd Lange, Mitglied des Europäischen Parlaments, diskutierten europäische Zukunftsperspektiven auf der Bundesjugendkonferenz unter dem Motto „Vom Europa der Märkte zum Europa der Menschen.“

Michael Löwa

Podiumsdiskussion zu Europa MdEP Bernd Lange (links) diskutierte mit Michael Vassiliadis (rechts), IG-BCE-Jugendsekretär Michael Porschen moderierte.
19.05.2013
  • Von: Marco Jelic

In seinem einführenden Inputreferat bemängelte der Europa-Abgeordnete Bernd Lange den schleichenden Rückgang des Industriesektors in Europa. Gleichzeitig, so Lange, herrsche in der Europäischen Kommission immer noch die Einstellung vor, der Markt könne alles selbst regeln: „Die Haltung gehört auf den Müllhaufen der Geschichte!“

Den Applaus der jungen Delegierten erntete das Mitglied der SPD-Fraktion auch mit seiner Forderung, endlich die Bankenspekulationen zu unterbinden. Wichtig sei es, in Europas Unternehmen einen sozialen Dialog zu etablieren. Denn nur ein solidarisches Europa schaffe auch in der Bevölkerung Akzeptanz.

Michael Löwa

Gut gelaunter Bernd Lange Anfangs musste der Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD) noch über sich selbst lachen, weil er den Saal erst einmal in guter sozialdemokratischer Tradition mit "Liebe Genossinnen und Genossen" anredete...

Diesen Punkt griff Michael Vassiliadis in der Posiumsdikussion wieder auf. Dass es heutzutage Risse und Zweifel am europäischen Projekt gebe, das liege nach Ansicht des Vorsitzenden auch „am neoliberalen Selbstverständnis“ der EU. Auch das sei ein Nährboden für chauvinistischen Populismus, wie ihn die neugegründete, europafeindliche Partei „Alternative für Deutschland“ verkörpere. Um solch ausgrenzenden Tendenzen entgegenzuwirken, brauche es Austausch, so Vassiliadis.

Dass der IG-BCE-Vorsitzende gleichzeitig als Vorsitzender der IndustriAll Europe Gewerkschaften auf der europäischen Ebene koordiniert, sieht er als eine weitere Wegmarke hin zu einem sozialeren Europa. In diesem Zusammenhang, so Vassiliadis, könnten Euro-Betriebsräte einen wichtigen Beitrag leisten. Bernd Lange, gefragt nach seiner Arbeit im Parlament, schloss sich dem an: „Bei allen kulturellen Unterschieden – die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene schafft Vertrauen.“ Als Zeichen, dass dieses Vertrauen auch wieder ein Stück weit in Deutschland gesetzt werden kann, hob Vassiliadis den vom DGB geforderten „Marshall-Plan für Europa“ hervor, der Sofortinvestitionen für die Krisenländer vorsieht. Denn die Merkelsche Sparpolitik sei der falsche Weg. „Wir brauchen Wachstum in Südeuropa, dafür müssen wir erstmal teilen“, bekräftigte Vassiliadis.

Michael Löwa

Ein zufriedener Vorsitzender Michael Vassiliadis lobte die IG-BCE-Jugend: "Ihr steht dafür, dass unsere Themen auch umgesetzt werden, und nicht nur im Schlagabtausch enden."

Beide Gäste betonten, dass die Sozialpolitik in Europa wieder mehr in den Vordergrund rücken müsse, sonst schwinde die Solidarität und die Zustimmung für Europa. Die Gewerkschaftsjugend hatte im Anschluss die Möglichkeit, sich offen mit den zwei Diskutanten auszutauschen. Die Jugendarbeitlosigkeit in Europa war dabei ein Thema, das die jungen Delegierten besonders interessierte.

Michael Löwa

Europa bewegte die Gemüter Was bringt Europa jungen Menschen? Wie können sie es besser verstehen lernen? Das fragte dieser junge Delegierte...

Nach der Podiumsrunde widmete sich der Gewerkschaftsvorsitzende noch einmal in einer Rede ganz ausschließlich der IG-BCE-Jugend. Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und unterstrich, dass sein Besuch „keine formale Notwendigkeit, sondern ein Herzensanliegen“ sei. Er lobte explizit die Zielgerichtetheit der Jugendarbeit, wo es kritischen Austausch gebe, aber auch immer effizientes Handeln.

Auch innenpolitisch positionierte sich der Vorsitzende: ein Mindestlohn von 8,50 Euro sei gut – aber er reiche für eine gute Rente nicht aus: „Das ist eher die Untergrenze, ab der der Staat unterstützen muss. Aber wir müssen auch weiter über unseren eigenen Gestaltungsraum als Gewerkschaft, der im Unternehmen beheimatet ist, reden!“

Nach oben