Vorstellungsgespräch

Per Videochat zum Job

Und action! Immer häufiger nutzen Arbeitgeber die Live-Schaltung per Skype, um Bewerber unter die Lupe zu nehmen. Das klingt nach Heimvorteil. Doch Vorsicht, auch in den eigenen vier Wänden stehen einige Fettnäpfchen. kompakt hat sie geortet.

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Wirklich alles gut? Auch bei Vorstellungsgesprächen per Videochat muss die Form stimmen.
27.10.2017
  • Von: Katrin Schreiter
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Kennenlernen im Skype-Interview – immer mehr Unternehmen  favorisieren die Live-Schaltung für das Vorstellungsgespräch. „Das hat unterschiedliche Gründe“, weiß Dr. Till Bender. „Es spart Zeit und Geld“, sagt der DGB-Rechtsschutz-sekretär. „Zum einen können zum Beispiel unkompliziert Bewerber zugeschaltet werden, die Tausende Kilometer entfernt sitzen. Zum anderen entfallen die Fahrtkosten, die der potenzielle Arbeitgeber in der Regel den Bewerbern erstatten muss.“ Nicht jeder Arbeitnehmer mag die Vorstellungsrunde per Skype. „Doch wer diese Einladung ablehnt, ist damit eigentlich schon außen vor“, sagt Bender. “Wer sich dagegen beim Skype-Interview beweist, erhöht die Chancen auf den Job.“ Nicht zuletzt habe die Live-Schaltung auch zahlreiche Vorteile für die Bewerber. 

LOCKER BLEIBEN: „Bei der Webcam- Variante bleiben Sie in Ihren vertrauten vier Wänden, müssen sich nicht auf eine neue Umgebung einstellen“, erklärt Bender. Bei den meisten Bewerbern falle dadurch ein wenig Anspannung ab. „Nutzen Sie die Sicherheit, die Ihnen Ihr Zuhause gibt – ohne, dass Sie dabei die nötige Ernsthaftigkeit verlieren.“

GEHEIME HELFER: Sie kennen Ihre Schwäche bei der nonverbalen Kommunikation? Sie sitzen oft nicht gerade oder spielen nervös mit Ihrer Halskette? “Kleben Sie sich ein Post-it neben den Bildschirm mit der entsprechenden Erinnerung, das zu kontrollieren“, rät der DGB-Experte. „Das fällt niemandem auf.“ Auch Stichpunkte beispielsweise zu Themen wie eigene Stärken und Erfahrungen könnten hilfreich sein.

KLEINE RUNDE: Anstatt sich persönlich gegenüberzusitzen, kommen sich der potenzielle Chef und der Angestellte per Videochat näher. Bender: “In der Regel erscheint auf dem Bildschirm nur eine Person – Personalchef oder Unternehmer. Der Bewerber muss sich nicht auf eine größere Gruppe einstellen. “

GUT GERÜSTET SEIN: Auch wenn man dem Personalchef nicht direkt gegenübersitzt, muss man das Vorstellungsgespräch ernst nehmen und gut vorbereitet sein. „Inhaltlich gibt es zur Face-to-Face-Befragung keine Unterschiede “, sagt Bender.

Damit Ihr Skype-Gespräch kein Reinfall wird:

Profil checken:
„Der erste Eindruck entsteht nicht mit dem Händedruck oder dem Gang in den Raum, sondern mit dem Profilbild und dem Nickname“, erklärt der DGB-Rechtsschutzsekretär. „Der Spitzname, der im Freundeskreis vielleicht witzig ist und vielleicht auf das Lieblingsgetränk hinweist, passt hier eindeutig nicht.“

Umfeld gestalten:
Welchen Einblick gewährt man dem potenziellen Chef? „Möglichst keinen privaten“, rät Bender. Familienbilder und Partyfotos sollten nicht sichtbar sein, auch kein Bücherregal, das zu sehr vom Gespräch ablenken könnte, und kein Glas, das spiegelt. „Am besten ist eine helle Wand.“

➤ Passend kleiden:
Auch beim Outfit stellt sich die Frage: Was sieht der Skype-Partner? „Generell gibt es da nur wenig Unterschiede zu einem Bewerbungsgespräch vis-à-vis“, sagt der Fachmann. „Gepflegte Erscheinung, dezentes Make-up und je nach Branche entsprechende Business- oder Freizeitkleidung tragen — zumindest bis zur Hüfte. Ob Sie dabei Hausschuhe tragen oder nicht, spielt keine Rolle.“

➤ Technik einrichten:
Wie ist die Beleuchtung, bin ich ins rechte Licht gerückt? Funktioniert das Mikro, passt die Lautstärke? Wie ist die Kamera platziert, ist sie auf Augenhöhe eingestellt? Bender empfiehlt: „Führen Sie zu Übungszwecken ein Skype-Interview mit einem Partner – und werten Sie es danach aus!“ Einen Mitschnitt könnte man sich auch von einem Experten bewerten lassen.

➤ Blickkontakt üben:
Nicht zuletzt sollte auch der Blickkontakt beim Videochat geübt werden, rät der DGB-Experte: „Stellt Ihr Skype-Partner eine Frage, schauen Sie auf Ihren Bildschirm. Wenn Sie aber selbst sprechen, sollen Sie in die Kamera schauen.“

➤ Für Ruhe sorgen:
Beim Vorstellungsgespräch per Videochat gibt es keine Zeit, sich warmzulaufen. Da heißt es: Der Bewerber muss präsent sein. Auf Knopfdruck, oder besser gesagt: Mouseklick. Alles muss sitzen – und nichts darf ablenken. „Schalten Sie sämtliche Geräte wie Handy, Radio sowie Fernseher aus. Und geben Sie Ihren Familienmitgliedern oder Mitbewohnern Bescheid, dass Sie nicht gestört werden dürfen.“

➤ Panne wegstecken:
Und wenn doch was schiefgeht? Wenn die Verbindung plötzlich abbricht und neu aufgebaut werden muss oder der Nachbar klingelt? Bender beruhigt: „Auch die Personaler wissen, dass ein Vorstellungsgespräch per Skype eine besondere Herausforderung ist.“ Er rät dazu, gelassen zu bleiben: „Wer solch eine knifflige Situation gut meistert, hat oft schon den schwierigsten Teil der Prüfung bestanden.“

➤ Thema Datenschutz:
„Der potenzielle Arbeitgeber darf das Vorstellungsgespräch nicht ohne vorherige Zustimmung mitschneiden“, weiß Bender. „Der Bewerber übrigens auch nicht.“

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