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Der Anspruch auf Teilzeit

Immer mehr Menschen arbeiten in Teilzeit. Viele Dienstleistungsbranchen bieten seit einiger Zeit vorrangig Teilzeitstellen an. Wir zeigen Dir, wann Du Anspruch auf Teilzeit hast und was Du vom neuen Koalitionsvertrag zu erwarten hast.

Irena Schauer

Irena Schauer

Der Anspruch auf Teilzeit besteht nur in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten und nach einer Wartezeit von 6 Monaten. Er muss drei Monate vor dem geplanten Beginn der Teilzeitarbeit beim Arbeitgeber schriftlich beantragt werden und sollte sowohl die gewünschte reduzierte Stundenzahl aber auch die Verteilung der Stunden auf die einzelnen Wochentage enthalten. Der Antrag auf Teilzeit kann vom Arbeitgeber dann abgelehnt werden, wenn betriebliche Gründe entgegenstehen. Die betrieblichen Gründe können unternehmerische Konzepte sein. Wenn der Arbeitgeber den Antrag des Arbeitnehmers nicht einen Monat vor dem geplanten Beginn der Teilzeitarbeit schriftlich unter Angabe der Gründe ablehnt, gilt der Antrag und die Verteilung der Arbeitszeit als genehmigt. Wenn der Arbeitgeber den Antrag auf Reduzierung ablehnt, kann der Arbeitnehmer den Anspruch gerichtlich durchsetzen. In diesem Fall muss der Arbeitgeber die entgegenstehenden betrieblichen Gründe darlegen.

Hinweis 1: Wenn die Arbeitszeit reduziert wird, so ist dies eine dauerhafte Reduzierung. Einen automatischen Anspruch auf Rückkehr zur bisherigen Arbeitszeit gibt es nicht und wird es auch in Zukunft nach dem Koalitionsvertrag nur für Unternehmen mit mehr als 45 Mitarbeitern geben. Alle anderen Mitarbeiter müssen sich auf interne Ausschreibungen bewerben und einen Antrag auf Verlängerung der Arbeitszeit nach § 9 TzBfG stellen.

Hinweis 2: Neben § 8 TzBfG bestehen spezialgesetzliche Regelungen, die dem Arbeitnehmer einen Anspruch auf Herabsenkung seiner bisherigen Arbeitszeit einräumen. Die in der Praxis wichtigsten sind § 15 BEEG (Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit während der Elternzeit), § 3 Abs. 1 und 4 PflegeZG (Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit für die Pflege eines nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung), § 2 FamPflegezeitG sowie § 81 SGB IX (Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit im Hinblick auf Art und Schwere einer Behinderung). Anders als § 8 TzBfG lassen diese Bestimmungen ein befristetes Teilzeitverlangen zu.

Daten und Fakten zu Teilzeitarbeit in Deutschland:

1991 gab es noch 28,9 Millionen Vollzeit- und 6,3 Millionen Teilzeitbeschäftigte. Die Teilzeitquote stieg seither kontinuierlich von 17,9 Prozent auf 39 Prozent im vergangenen Jahr an. Die Zahl der Beschäftigten in Teilzeit stieg innerhalb von 20 Jahren von 8,3 Millionen auf 15,3 Millionen im vergangenen Jahr. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten ist im Gegenzug seit 1996 von rund 25,9 Millionen auf 24 Millionen gesunken.

Über 3 Millionen Betriebe in Deutschland beschäftigen weniger als 10 Mitarbeiter, weshalb kein Anspruch auf Teilzeit nach dem TzBfG besteht.

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